Roter Faden – ÜBERs Leben

Bärbel Ambrus, Kerstin Becker, Anne-Françoise Cart, Christine Düwel, Adelheid Fuss, Marianne Gielen, Elli Graetz, Karin Gralki, Annelie Kaduk, Katrin Kamrau, Linde Kauert, Katharina Kulpok, Bettina Mundry, Jutta Schölzel, Karin Tiefensee und Jana Wilsky

Verlängert bis 2. mai 2021

Ausstellungsbesuche sind mit Termin möglich: info(at)gedok-brandenburg.de

Video zur Ausstellung

Der rote Faden steht als Sinnbild für die Selbstbefragung und regt zur künstlerischen Reflexion an. Was zieht sich wie ein roter Faden durch das Leben, auf diese Frage haben 16 Künstlerinnen der GEDOK Brandenburg ganz unterschiedliche Antworten gefunden. In aktuellen wie auch älteren Arbeiten präsentieren sie ihre bildnerischen Überlegungen und Standpunkte, bisweilen gar ein „Manifest“. Die Farbe Rot spielt eine verbindende Rolle und verklammert die Arbeiten miteinander; mal sind es jedoch Bezüge zur Gegenwart, mal zur Familiengeschichte, zur griechischen Mythologie, Musik oder auch Literatur, die den Werken zugrunde liegen und die Vielstimmigkeit der Präsentation ausmachen. In Malerei und Grafik, Installation und Collage nähern sich die Künstlerinnen dem Thema an, umkreisen es und spielen mit der Fragestellung. Der rote Faden wird zum Bildmaterial, er wandert als Linie über die Fläche, tanzt Tango, weist den Weg durchs Labyrinth und zieht als Geflecht wie ein Planet durch den Bild-Welt-Raum. Sind es flüchtige Zufallsbegegnungen, die unser Leben bestimmen, Kontinuitäten im künstlerischen Schaffen und Sein oder müssen wir den Faden verlieren, um uns zu bewegen?

 

 

Schnittstellen
Barbara Raetsch / Burghild Eichheim

16.5.-4.7.2021
Eröffnung: 16.5.2021, 15 Uhr

In der Ausstellung Schnittstellen treffen zwei Malerinnen aufeinander, die in ihrem 85. Lebensjahr auf ein umfangreiches Werk zurückblicken und immer noch mittendrin sind im künstlerischen Arbeitsprozess, im Suchen, Finden, Werden. Barbara Raetsch, Mitglied der GEDOK Brandenburg und "Grande Dame der Potsdamer Kunstszene", zeigt Gemälde aus 4 Jahrzehnten, Burghild Eichheim, seit 1974 als Künstlerin in Berlin etabliert und der dortigen GEDOK verbunden, präsentiert Collagen und Gemälde aus ihrer gesamten Schaffenszeit.

Konfrontiert mit dem Verfall der Potsdamer Innenstadt setzt sich Barbara Raetsch in den 1980er und 90er Jahren mit dem Gesicht der Stadt auseinander, mit Zerstörung und Abriss, aber auch mit der Wiederaneignung im Zuge von Hausbesetzungen. 2014 werden die Kräne auf dem Alten Markt zum Thema ihrer eindringlichen Kompositionen in leuchtenden Farben und 2018 entsteht die Serie Roter Bauzaun, die den fahnenroten Bauzaun am Alten Markt zum Motiv und entscheidenden Gestaltungselement erhebt. Auf ihren Landschaften spitzt Barbara Raetsch die Fokussierung auf eine Farbdominante weiter zu, so dass Gemälde Ton in Ton entstehen, die die Silhouette von Wald und Dorf in der Ferne andeuten und ihre Kraft aus der aus der Leinwand wachsenden Farbe schöpfen. In jüngster Zeit bearbeitet die Malerin das Thema Maske und entwickelt eigenwillige Bilder des Leidens.  

Ausgehend von der Collage entwickelt Burghild Eichheim ihre Bilder. Sie kombiniert disparate Elemente und schafft eigene, surreal anmutende Bildräume zwischen Traum und Wirklichkeit, wie etwa die Entwürfe zum Zyklus Gartenzauber von 1999. Die Technik des Montierens sickert bis in ihre Malweise ein, wenn sie Farbflächen als scheinbar auseinanderstrebende Gebilde zueinander bringt. Burghild Eichheim entwirft hocheinfühlsame Porträts von Menschen, die ihr nahestehen, zeigt sie in ihrer Verletzlichkeit, ihrer Zugewandtheit, ihrer Freude; schonungslos geht sie um mit jenen, die sie erschüttern: ob Meerschwein, Vielfraß oder gesichtsloses Publikum, Burghild Eichheim maskiert und demaskiert.

 

 

Bon voyage – grafische Erkundung trifft farbige Skulptur
Karin Gralki und Sigrid Herdam

12.9.-24.10.2021
Eröffnung: 12.9.2021, 15 Uhr

Zwei Bildhauerinnen, beide Jahrgang 1951, die nach ihrem gemeinsamen Studium 1982–87 in Berlin Weißensee das "Licht in der DDR ausmachten" und sich als alleinerziehende Absolventinnen in einer plötzlich "biografielosen" neuen Realität im freien Fall wiederfanden, stehen für eine ganze Künstler*innengeneration, die der Systemwechsel 1989/90 kalt erwischt hat. Beide blieben auf abenteuerliche Weise ihrem eigenen künstlerischen Weg treu, in bis heute anhaltendem Austausch, der sich über sämtliche Ab- und Aufbrüche gehalten hat und Halt gibt, auch in der schwierigen Situation in der Gegenwart.

Während Sigrid Herdam in Stein und Marmor arbeitet und mit farbigen Fassungen und grafischen Strukturen experimentiert, hat sich Karin Gralki zunehmend der Druckgrafik und Handzeichnung zugewandt, so dass der Dialog zwischen Kolleginnen in einen Dialog zwischen den Gattungen und Positionen mündet.

 

 

Achtung: Aufnahme! Neue Künstlerinnen der GEDOK Brandenburg 2021
Monika Meiser und Ines Schaikowski

31.10.-19.12.2021
Eröffnung: 31.10.2021, 15 Uhr

Mit Monika Meiser (*1946) und Ines Schaikowski (*1981) stellt die GEDOK Brandenburg zwei neue Mitglieder vor, die in der Malerei respektive der Objektkunst tätig sind. Aus zwei Generationen mit den entsprechenden Erfahrungswelten stammend beschreiten sie unterschiedliche künstlerische Wege und berühren sich doch dadurch, dass sie auf Spurensuche sind.

Monika Meiser lebt und arbeitet als Malerin und Grafikerin in Berlin. Zu Beginn ihrer künstlerischen Laufbahn schuf sie in den 1980er Jahren Radierungen eines Prenzlauer Bergs, wie es ihn schon längst nicht mehr gibt, mit bröckelnden Fassaden, bedrohlich in den Himmel ragenden Brandmauern und düsteren Hinterhöfen. In den 1990er Jahren kam die Farbe ins Spiel und mit ihr die Erkundung von Natur, von windgebeugten Gräsern, schwebenden Blättern und Pollenflug. Immer abstrakter wurde die Auseinandersetzung mit dem Gegenstand, immer drängender wurden Farbe und Bewegung. Mit dem Wechsel von der Radierung zur Malerei entzündete sich schließlich in den 2000ern ein Farbfeuerwerk, das im Aquarell, in der Gouache oder in Acryl und Pigment in kraftvoll mutigen Pinselschwüngen erstrahlt.

In ihrer Werkfolge Hybride Heimat widmet sich Ines Schaikowski der Bedeutung des vielfach aufgeladenen Begriffs Heimat. Die aus Wriezen stammende Künstlerin hat ihr Studium in Marburg, Weimar, Girona und Barcelona absolviert und in Deutschland, Japan und Spanien gearbeitet, so dass die Auseinandersetzung zwangsläufig auch Fragen nach der eigenen Standortbestimmung aufwirft. Nach ihrem Verständnis ist Heimat Gegenstand gesellschaftlicher wie auch individueller Aushandlungsprozesse, die zwischen Bekanntem und Unbekanntem, dem Eigenen und dem Fremden oszillieren und damit die gesetzten Grenzen immer wieder verschieben. Ines Schaikowski gießt Beton um Alltagsgegenstände wie Wäscheklammern, Strohhalme, Müllsäcke oder Bücher und kreiert Installationen, die Altbekanntes in einen neuen Kontext versetzen, der sie ihrer Funktion beraubt und sie gleichzeitig als Teil eines Kunstwerks aufwertet. Dinge werden verschluckt, treten hervor, werden überlagert und eingepasst und eröffnen den Blick auf neue Möglichkeiten und Zusammenhänge.