ACHTUNG: AUFNAHME!

25.08. – 13.10.2019, Do - So - 14-18 Uhr

Bärbel Ambrus, Ambra Brigazzi, Annelie Kaduk, Katharina Kulpok, Alexandra Liese, Monika Maria Nowak, Eva Paul, Barbara Raetsch, Maren Strack, Dorit Trebeljahr, Jana Wilsky

Vernissage: 25. August 2019, 15 Uhr

Begrüßung: Dr. Gerlinde Förster, 1. Vorsitzende GEDOK Brandenburg
Einführung: Jaana Prüss, Projektleitung GEDOK Brandenburg
Musikalische Begleitung: Stefanie John (Cello) und Timofey Sattarov (Akkordeon)

Die Galerie Kunstflügel zeigt Arbeiten von den neuen Künstlerinnen in der GEDOK Brandenburg begleitet von einem umfangreichen Programm aus Künstlergesprächen, Lesung, Konzert, Film und Vortrag

Veranstaltungen:
8. September | 15 Uhr
Kunst und Prozessgestaltung, Monika Maria Nowak, Vortrag

15. September | 14-18 Uhr
Textile Inspirationen 1920/2020, Bärbel Ambrus im Gespräch

16. September 2019 |19:30 Uhr Montagsfilm
Effi Briest, Literaturverfilmung nach Theodor Fontane, DDR 1968/69, Regie: Wolfgang Luderer

21. September | 15 Uhr
Glen und sein Welpe. Kinderbuch-Lesung von Alexandra Liese

5. Oktober | 17 Uhr
Mozart plus, Konzert mit Ursula Meyer (Klavier) und Bettina Sitte (Violine)

12. Oktober | 19 Uhr
Rangsdorfer Abend - Zu Gast: Gerlinde Förster
Eine Veranstaltung des Kulturverein Rangsdorf e.V. im GEDOK-Haus

Die GEDOK Brandenburg heißt mit dieser Ausstellung 11 neue Künstlerinnen im Netzwerk und Verband herzlich willkommen und präsentiert einen Ausschnitt ihres aktuellen, individuellen Schaffens.  

Die vielfältigen Zugänge zu Kunst und schöpferischer Arbeit zeigt die Bandbreite der Arbeitsweisen – ob Miniaturen, Figürliches, Abstraktes, Blattgold, Ölfarbe, Acryl, Collage, Radierung, Installation, Video, Textiles, Objekte, Performance, Tanz, Privates, Erzählerisches, Urbanes, Verträumtes, Fiktives, Konkretes, Familiäres oder Internationales – die Ausstellung ist voller Inspirationen.

Alexandra Lieses Arbeiten sind inspiriert vom Dot-Painting-Stil der Aborigines, der indigenen Kunst Australiens. 2001 besuchte sie den Kontinent und entdeckte für sich die Faszination der Punktemalerei. Hier zeigt sie zwei Formate mit figürlichen Silhouetten, die in Blattgold gestaltet sind. Am 21. September können wir uns auf eine Lesung aus ihrem jüngsten Buch „Glen und sein Welpe“ freuen.

Die Anlehnung an die Kunst indigener Völker mit einer archaischen, reduzierten Formsprachen finden wir auch in den Arbeiten von Monika Maria Nowak. Hierbei handelt es sich um emotionale Prozessbilder, die ein Gegenüber bedürfen. Das Werk in dieser Ausstellung dokumentiert die Reise einer Schamanin. Mehr verrät die Künstlerin in ihrem Vortrag über emotionale Prozessgestaltung am 8. September.

Ganz der Malerei haben sich noch weitere Positionen verschrieben:
Annelie Kaduk bezeichnet sich als erzählende Malerin. Sie bewegt, wie der Mensch im Drill des Schicksals sich selbst bewahrt. In ihren Bildern tauchen Räume, Körper, Physiognomien, Spiegel von Befindlichkeiten auf und entfalten eine ambivalente Aura.

Landschaftlich den urbanen Raum und die Veränderung des Lebensraums hält Barbara Raetsch mit Ölfarbe auf Leinwand fest. Für sie ist Kunst auch schöpferische Auseinandersetzung mit den Brüchen der Zeit. Kräne, Bauzäune, vorherrschende Farben, Realität wird dabei Abstrakter– nichts bleibt wie es ist – hier Momentaufnahmen einer stets vom Wandel geprägten Zeit. Heute verschwundene Atelierhäuser werden in ihrer pastosen Malerei wieder lebendig.
 
Jana Wilsky malt ins Blaue - das Meer, den Himmel - es verschwimmt ob über oder unter Wasser, ob Wind, Wolkenfetzen, Wellen, Gischt,– meditativ überlagert, so entstehen emotionale Bilder wie Erinnerungen an den Besuch in weiten acrylblauen Landschaften.

Landschaftliches finden wir auch in den Miniaturen von Eva Paul. Eine winzige Figur, wie ein Sandkorn im Universum, lockt den Betrachter ganz nah heran, um sich zu vertiefen in den Weiten des künstlerischen Ausdrucks. Für diese Serie ‚Im Tal der Barke‘ erhielt Eva Paul 2017 den Brandenburgischen Kunstpreis für Malerei.

Abstrakt organische Metamorphosen oder sind es kosmische Landschaften - Katharina Kulpok zeigt in drei Formaten rätselhafte Strukturen die uns fremd und vertraut zugleich erscheinen.  Metamorphosen meinen Verwandlung, Anpassung, Umwandlung – vielleicht ein Ausblick auf Bedürfnisse unserer zukünftigen Welt.

Einen Ausblick in seltsame Welten gibt uns auch Dorit Trebeljahr. In ihren Arbeiten begegnen sich Bildhauerei und die Verfremdung industriell gefertigter Materialien, die sie in zerbrechliche und sinnliche Objekte verwandelt. Dorit Trebeljahr benutzt häufig Akupunkturnadeln, die in zierlichem Detailreichtum zusammengesetzt, gefaltet und verbogen werden. Hierfür wurde sie u.a. mit dem Brandenburgischen Kunstpreis für Plastik 2018 ausgezeichnet.

Bärbel Ambrus zeigt uns gestalterische Prozesse, die sie als Grundlagen für  textile Muster nimmt. Kunst wird hier zur 2. Haut und angewandt auf kostbaren Textilien. Im Künstlergespräch am 15. September weiht sie uns in all ihre Inspirationen mit tragbaren Modellen ein.

Oder wie ist es umgekehrt, wenn aus Kleidungsstücken Kunstwerke werden und Quelle für malerische Arbeiten. Dies zeigen die Werke von Ambra Brigazzi, die sich seriell dem Spannungsfeld aus DER Strumpf- und DIE Hose widmet und darin gesellschaftliche Phänomene spiegelt.

Wie sich Textiles dynamisch und geräuschvoll in Raum und Bewegung verwandeln kann zeigen die Performances, Videosund Installationen von Maren Strack. In Ihrer Arbeit verbindet die Bildhauerin, Choreografin, Tänzerin, und Musikerin  - Bewegung und Tanz mit Skulptur und Installation. In eigenwilligen Settings für ihre Performances und mit Einsatz ihres eigenen Körpers schafft sie raumgreifend absurde Szenen zu erzählen.

So unterschiedlich die Arbeiten und Herangehensweisen scheinen, in der Beschäftigung mit den Künstlerinnen und ihren Arbeiten schimmerte etwas Gemeinsames auf – alle zeigen Verbindungen in andere Sphären: zu anderen Kulturen, zu kosmischem Licht, zu emotionalen Prozessen, zu Verschwundenem, zu mikroskopischen Molekülen, zu telepathischen Dialogen, in zeichnerischen Spuren in den Himmel, kosmischen Landschaften, surrealen Räumen, Märchen oder irdischen Weiten.

Wenn durch künstlerische Arbeiten das assoziative einen geistigen Raum öffnet und etwas Besonderes anrührt oder bewegt – dann wird das Geheimnis Kunst berührt. Ob Kunst hierbei den Klebstoff der Gesellschaft bildet – oder den Hefeteig – der weiter gärt – das bleibt Ihnen überlassen.

Und auch wenn die Künstlerinnen nach der Vernissage in ihre Ateliers zurückkehren, bleiben neben ihren Werken in der Galerie ihre Stimmen präsent. Wir haben den Titel der Ausstellung wörtlich genommen - ACHTUNG: AUFNAHME! und die beteiligten Künstlerinnen akustisch aufgenommen. Sie erzählen uns in persönlichen Statements, was sie an und in ihrer Arbeit interessiert. Und damit lade ich herzlich ein sich den Arbeiten, Künstlerinnen und ihren Beweggründen zu widmen. Diese können in der  Soundcloud  angehört werden.

Herzlichen Dank an die Musiker*innen Stefanie John am Cello und Timofey Sattarov mit Akkordeon.
(JP, 25.08.2019)